Kompetenzbilanzierung nach dem GRETA – Modell

Ein Erfahrungsbericht

Als Lehrer in der Erwachsenenbildung bekam ich eine Einladung, das „GRETA-Referenzmodell für professionelle Handlungskompetenz Lehrender in der Erwachsenen- und Weiterbildung“ zu durchlaufen. Ich entschloß mich zur Teilnahme, obwohl ich voller Skepsis gegenüber solch formalen Bewertungen bin. Hier mein persönlicher Erfahrungsbericht.

Das GRETA-Referenzmodell wird seit 2014 am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung Bonn erforscht und entwickelt. Es befindet sich gerade in der letzten Erprobungsphase vor flächendeckender Nutzung.

Als branchenübergreifendes Modell soll das GRETA- Modell alle Aspekte der Kompetenz bei den derzeit rund 500.000 Menschen abdecken, die in Erwachsenenbildung, Lehre und Weiterbildung tätig sind. Das schließt Tätigkeitsbezeichungen wie Trainer, Dozent, Kursleiter, Lernbegleiter, Tutor, Teamer oder Coach ein und soll für alle Aus- und Weiterbildungseinrichtungen für Erwachsene als Referenzmodell dienen. Dementsprechend weit ist das Spektum und dementprechend hoch muß der Abstraktionsgrad des Modells sein.

Das bedeutet, daß bestimmte fachspezifische Eigenheiten (im Modell „Fach- und feldspezifisches Wissen“ genannt) systematisch ausgeblendet werden, und nur die übergreifenden Fähigkeiten und Fertigkeiten, die in der Dozententätigkeit gebraucht werden, in den Fokus genommen werden. Das ist insofern bedauerlich, als viele von uns hauptsächlich aufgrund ihrer hohen Fachkompetenz in den Dozentenberuf gekommen sind und dafür geschätzt werden. Andererseits lebt die Dozententätigkeit gerade von all jenen „soft skills“ wie Werthaltungen, Fähigkeiten zur Selbststeuerung und übergreifendem Erfahrungswissen im Bereich Didaktik und Mathetik. Weil gerade diese Fähigkeiten sehr wichtig für den Erfolg sind und meistens durch „Learning by Doing“ erworben werden, sind sie entsprechend schwach dokumentiert. Das macht das Modell interessant für alle, die in diesem Bereich tätig, und soll dazu dienen, unsere Fähigkeiten auch für potentielle Auftraggeber aufzuwerten.

Die Arbeit mit dem Modell erfolgt in zwei Schritten. Zunächst arbeiten Sie alleine für sich einen relativ umfangreichen Fragebogen ab, der Ihnen über das Internet zur Verfügung steht. Das bietet Möglichkeiten , intensive Reflexionen über das eigene berufliches Selbstverständnis anzustellen. Das ist für sich gesehen schon ein Wert, den man im Alltag nur selten bekommt, denn die Fragen sind durchaus anspruchsvoll. Für die Arbeit mit diesem Fragebogen habe ich mit einen guten Tag Zeit genommen, was nicht zu wenig war.

Dieser Selbstreflexionsprozess wird ergänzt und gesteigert durch ein Feedbackgespräch, das eine dafür ausgebildete Person mit Ihnen durchführt, nachdem Sie Ihr Profil über die Webseite eingereicht haben. Nach ein paar Tagen erhielt ich einen Einladungslink zum persönlichen Feedbackgespräch und meine Feedbackgeberin kontaktierte mich via Email. Mit ihr vereinarte ich einen Termin und ging dann im Onlinemeeting in einer Art Kolloqium durch den Profilbogen und gab Auskunft zu einzelnene Themen. Dieses Gespäch war seht angenehm und brachte einige Themen auf, über die ich in dieser Form noch nicht nachgedacht habe.

Zum Abschluß bekommt man das Ergebnis als gedrucktes Zertifikat in Papierform zugeschickt und hat die Möglichkeit, mit dem Logo (siehe links) auf die Bilanzierung werbetechnisch zu nutzen. Ich weiß nicht, ob es als Akquise-Instrument taugt und als Qualifikationsnachweis für mögliche Auftraggeber einen Mehrwert bringt. Da das Modell aber ganz am Anfang steht, muss man warten, ob es im Markt angenommen wird.

Meine Kompetenzbilanz stelle ich hier auf meiner Webseite zum Download bereit. Ich hätte gern Ihre Kontaktdaten, um Ihre Meinung zu diesem Instrument zu erfahren.

    https://www.greta-die.de/webpages/projektergebnisse/greta-kompetenzmodell

    Nachtrag (November 2022): Das GRETA-Logo taucht inzwischen auf immer mehr Seiten von Bildungsinstituten auf, es scheint also auf Interesse zu stoßen.

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